Elektrotechnik und die Quadratur des Kreises, Teil1 Das Prüfen ohne Aus von Schaltanlagen in Datacenter

Ein Gastbeitrag von Ulrich Föll* 2 min Lesedauer

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In heutigen Rechenzentren hat die Verfügbarkeit der Stromversorgung zumeist oberste Priorität. Die Infrastruktur ist gemäß definierter Verfügbarkeitsklassen aufgebaut, wobei die Einhaltung höchster Sicherheitsstandards im Betrieb diese Verfügbarkeit auf Dauer sicherstellt.

Die Quadratur des Kreises ist ein Paradoxon; die Prüfung von Schaltanlage im Rechenzentrum auch? (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Die Quadratur des Kreises ist ein Paradoxon; die Prüfung von Schaltanlage im Rechenzentrum auch?
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Ein zentraler Bestandteil der elektrischen Sicherheit ist die Wiederholungsprüfung der Anlagen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Vorschrift 3, schreibt regelmäßige Prüfungen vor. Dazu zählt auch die Isolationsprüfung von Schaltanlagen. Diese Prüfung erfordert in der Regel zwei kritische Maßnahmen:

  • die Abschaltung der Schaltanlagen,
  • sowie das Abklemmen der Verbraucher durch eine N-Trennung

Beide Schritte bergen Risiken: Einerseits droht bei der Messung eine Beschädigung der Geräte, andererseits ist das Abschalten, in der Regel die Unterbrechung eines Versorgungspfades, ein unvereinbarer Widerspruch für hochverfügbarer Systeme.

Genau hier entsteht das Dilemma: Betreiber dürfen aus Verfügbarkeitsgründen nicht abschalten, Prüfer hingegen fordern aus Sicherheitsgründen genau das. Also ergeben sich zwei Welten, die aufeinandertreffen, die scheinbar ohne Schnittmenge existieren.

Zwei Welten ohne Schnittmenge

Und dennoch: Die Praxis zeigt, dass es Mittel und Wege gibt. Auch wenn eine Abschaltung nicht möglich ist, müssen Anlagen sicher geprüft und weiterbetrieben werden. Es geht also um mehr als nur Technik – es geht um Lösungen, die Verfügbarkeit und Sicherheit vereinen. Eine technische und organisatorische Herausforderung – die Quadratur des Kreises.

Ausblick auf die weiteren Beiträge

In den folgenden Teilen dieser Blog-Reihe:geht es im

Teil 2 – Die Normenlage und Vorschriften für die Wiederholungsprüfung - Welche gesetzlichen, normativen und arbeitsschutzrechtlichen Grundlagen sind zu beachten? Wo überschneiden sich Anforderungen – und wie lassen sie sich sicher interpretieren?

Teil 3 – RCM statt Abschaltung: Wiederholungsprüfung bei Unterverteilern bis 125 A - Wie können RCM-Systeme (Residual Current Monitoring) bei kleineren Anlagen die Isolationsmessung ersetzen? Was fordert die Norm, und wie sieht die Umsetzung aus?

Teil 4 – Wiederholungsprüfung ohne Abschalten bei Anlagen über 125 A - Welche Alternativen bestehen für Schaltanlagen > 125 A?

Teil 5 – Empfehlungen für Betreiber: Prozesse, Personal, Verantwortung - Was bedeutet Prüfen ohne Abschalten für Organisation und Betrieb? Welche Rolle spielen Qualifikation, Managementsysteme und externe Dienstleister?

Bleiben Sie dran: Diese Blog-Reihe richtet sich an Betreiber, Fachplaner, Elektrofachkräfte und Sicherheitsverantwortliche – mit dem Ziel, praxisgerechte Lösungen für einen hochverfügbaren und gleichzeitig normkonformen Anlagenbetrieb aufzuzeigen.

*Der Autor
Ulrich Föll ist Planungsingenieur Elektrotechnik bei der DE-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG.

Bildquelle: DE-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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